Gemeindeerkundungen

Autor: Karsten Dittmann (Seite 1 von 11)

Konfirmation im Pfarrgarten

Heute morgen war die letzte von drei Konfirmationen in der Friedens-Kirchengemeinde. Insgesamt 17 Konfis waren dabei. Aus bekannten Gründen war die Konfirmation vom Mai in den September und von der Friedenskirche in der Pfarrgarten verlegt worden. Die spätsommerliche Atmosphäre im Garten mit tollem Sonnenblumenschmuck sorgte aber dennoch für eine gute Stimmung: fröhlich und feierlich zugleich.

Annika Lohaus singt ihr Lied „Ich kann auf dich vertraun“

Thematisch habe ich mich an Annika Lohaus‘ Motto-Lied vom Kirchentag orientiert. In jedem Gottesdienst ging es um einen anderen Aspekt von dem, was Glauben und Vertrauen bedeutet.

Altar mit Kreuz vom Tadeusz Kacalek

Die Terrasse am Pfarrhaus wurde zum Altarraum. Dabei kam das Kreuz von Tadeusz Kacalek zu neuen Ehren. Es ist vor vielen Jahren von Pfarrer Metzger gekauft worden. Es hatte seinerzeit im Gemeindehaus eine Ausstellung mit Künstlern aus Polen gegeben und das Kreuz im Stil naiver Kunst ist dann von der Gemeinde gekauft worden. Zeitweise stand es auch in der Friedenskirche auf dem Altar, war dann aber verstaut worden und ist erst kürzlich wieder aufgetaucht. Für solche Gelegenheiten ist das natürlich sehr gut geeignet.

Abendmahl mit Einzelkelchen

Abendmahl gab es nur für die Konfirmandinnen und Konfirmanden. Dazu hatte ich mir extra kleine Einzelkelche aus der Nachbargemeinde in Hiltrup geliehen. Was mir daran gefällt ist der große Abendmahlskelch mit Ausgießer. So bekommt man nicht nur ein „Pinnchen“ überreicht, sondern kann in Verbindung mit dem Kelchwort etwas Saft oder Wein direkt abgeben. Für mich war das atmosphärisch so durchaus stimmig.

Das Wetter spielte natürlich mehr als perfekt mit. Wir hatten zwar die Schlechtwettervariante geplant, mit genauen Sitzplatznummer und allem drum und dran – jetzt konnten wir die Familien grüppchenweise im Garten platzieren. Bei den Konfirmationen gestern nachmittag lag der Garten schön im Schatten einer großen Blutbuche. Heute morgen bekamen wir dafür die pralle Sonne. Aber ich bin froh und dankbar, dass alles gut geklappt hat.

Tag 100: Sehen lernen

Eines meiner Hobbies ist das Zeichnen. Ich bin darin zwar nicht besonders gut, habe aber dennoch etwas Wichtiges gelernt: Zeichnen lernen heißt sehen lernen. Beim sogenannten „Zeichnen nach der Natur“, also bei der Umsetzung eines dreidimensionalen Motivs auf Papier, springt das Auge dauernd hin und her: Man sieht sich das Objekt an, dann wieder die Zeichnung und zurück. Am Anfang steht erstmal ein grobe Skizze. Nach und nach wird sie ausgearbeitet. Man bemerkt, dass diese Linie zu kurz ist, hier zwei anderen Linien der Abstand größer, da ein Bogen weiter sein muss usw. Beim Betrachten einer Kirchengemeinde ist es eigentlich nicht anders: Man macht sich ein Bild, dass man dauernd an der Wirklichkeit abgleichen muss. Nach 100 Tagen Hinschauen und Notiznehmen habe ich ich aber dennoch nicht mehr, als erstmal nur eine grobe Skizze in der Hand.

Wenn ich von Skizze rede, dann meine ich auch eine echte Skizze. Innerhalb der ersten drei Wochen habe ich versucht, meine erste Übersicht darzustellen. Später, bei einer Fortbildung, habe ich nochmal genauer versucht, mir die systemischen Zusammenhänge anschaulicher zu machen. Heute habe ich begonnen, meinen 100-Tage-Bericht für das Presbyterium zu schreiben. Im Lauf der letzten drei Monate habe ich mir viele Notizen gemacht. Manches habe ich hier in Blogbeiträgen verarbeitet. Heute habe ich nochmal eine neue Skizze versucht. Umso detaillreicher das Ganze wird, desto mehr stellt sich die Frage: Wie stelle ich die Zusammenhänge so dar, dass man Ende kein unentwirrbares Knäuel an Kästchen und Linie entsteht? Was muss rein in die Skizze? Was kann man weglassen?

Bis zur nächsten Sitzung des Presbyteriums will ich meinen Bericht fertig haben. Darin geht es zum einen um Wahrnehmungen und Beobachtungen, die ich mit den Presbyterinnen und Presbytern abgleichen möchte. Wer neu in eine bestehende Struktur hinein kommt, sieht mit anderen Augen auf das, was ist. Sehe ich das richtig? Oder habe ich falsch oder zu oberflächlich hingesehen? Zum Anderen geht es um Aufgaben, die sich für die Gemeinde und für mich als Pastor stellen. Am Ende wird das in eine Dienstanweisung münden. Zum Dritten geht es um Dinge, bei denen ich Möglichkeiten für eine Weiterentwicklung der gemeindlichen Arbeit gehen.

Mein Blogprojekt im engeren Sinn endet heute erstmal. Das tägliche Schreiben war eine gute Seh-Übung und eine schöne Motivation, immer wieder Neues in den Blick zu nehmen. Allerdings ist es durchaus aufwendig, jeden Tag etwas zu schreiben, das für eine öffentliche Leserschaft bestimmt ist. Beim Tagebuchschreiben muss man nicht nachdenken: Kann und darf ich das so sagen?

In den letzten Tagen haben mich einige Menschen gefragt, wie es denn weiter geht. Zunächst einmal bleibt dieser Blog bestehen. Nach und nach werde ich über weitere Beobachtungen und Entdeckungen schreiben – allerdings in lockerer Folge und nicht mehr Tag für Tag. Wenn Sie mir bei Facebook oder Twitter folgen, werden Sie auf neue Beiträge aufmerksam gemacht. Wahrscheinlich werde ich demnächst öfter über Instagram eine Bild mit einer kurzen Notiz schreiben. Vielen Dank, dass Sie mir bis hierher gefolgt sind.

Beitragsbild von adubost auf Pixabay.

Tag 99: Eine junge Schar

Meine erste bewusste Wahrnehmung des CVJM (damals noch „Christliche Verein Junger Männer“, seit 1985 „… Junger Menschen“) geschah, glaube ich, Ende der 70er Jahre durch das Lied „Y.M.C.A.“ der Village People. Ich selbst bin vor allem durch den EC (Entschieden für Christus) christlich sozialisiert. Der EC hat den CVJM damals durchaus als Konkurrenz wahrgenommen, weil er irgendwie ein bisschen der „coolere“ Verein war. Erst als Jugendlicher kam ich in direkten Kontakt zu Leuten aus dem CV, unter anderem über den Herlinghäuser Kirchberghof. Heute habe ich mich mit Søren Zeine getroffen, der als Bundessekretär für den CVJM-Westbund arbeitet und sich in den CVJM-Gruppen auch unserer Gemeinde engagiert.

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Tag 97: Kirche machen

Was macht eigentlich ein Pfarrer so beruflich? Ich habe neulich schon einmal auf den Hashtag #WasPfarrerSoMachen hingewiesen, unter dem Kolleginnen und Kollegen vor allem ungewöhnliche Dinge beschreiben, die ihnen im Pfarralltag begegnen. Aber das Alltagsgeschäft? Heute kam Post von der Landeskirche, die in einem Flyer für kirchliche Berufe wirbt. Unter dem Stichwort „Mach Kirche“ soll Interesse geweckt werden für Berufe im Kontext der Kirche. Das Berufsbild der Pfarrerin oder des Pfarrers ist allerdings doch stark verkürzt: „Regelmäßige Gottesdienste gehören zu Deinen Aufgaben, aber auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen.“ Aber was sind denn die Aufgaben? Oder was sollten sie sein?

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Tag 96: Am Aasee

Eigentlich hatte ich gestern nachmittag mit Besuch einen Ausflug an den Aasee geplant, aber leider regnete es die ganze Zeit, so dass wir unseren kurzen Trip auf heute verlegt haben. Auch wenn ich schon zweimal in der Jugendherberge dort war und mehrmals um den See gejoggt bin: Viele Fragen zum See konnte ich meinem Besuch gar nicht beantworten. Ich wusste nur, dass der See das Wasser der Aa staut, 2 m tief ist und ich zum Drumrum-Joggen ca. 25 min brauche. Zu Hause habe ich mal ein bisschen recherchiert und bin jetzt etwas auskunftsfähiger – auch was der See mit der Rekatholisierung zu tun hat.

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Tag 95: Aufgabenteilung

Keiner kann und muss alles machen – das ist eine der Kernaussagen des Predigttextes für kommenden Sonntag. In der Apostelgeschichte wird erzählt, wie die Jünger von den Anfragen aus der Gemeinde überfordert sind und daher Aufgaben aufteilen. Sie kümmern sich um Gottesdienst und Predigt, sieben Diakone sorgen für die gerechte Essensverteilung an arme Gemeindemitglieder. Die Aufgabenteilung von Kirche und Diakonie hat also eine sehr lange Tradition. Auch die Vorlage des Strukturausschusses „Zehnvor“ hebt darauf ab, dass bei begrenzten Ressourcen eine gut überlegte Aufteilung der Aufgaben sinnvoll ist. Ich habe mir heute mal einen ersten Überblick verschafft.

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Tag 94: Auf der Synode

Heute tagte die Kreissynode in der Mensa am Ring. Meine erste Kreissynode in Münster – und einige fragten, wie es war. Wenn ich den Corona-Faktor rausrechne, war es aber nicht großartig anders, als die Synoden in den Kirchenkreisen Soest und Gütersloh. Vielleicht ein bisschen harmonischer als die letzten Synoden, die ich erlebt habe, aber das könnte daran liegen, dass es keine wirklichen Streitpunkte gab. In den meisten Punkten war man sich einig – und die überwiegende Zeit wurde mit Wählen zugebracht.

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Tag 93: Frauen unterwegs

„Suchen Sie auch?“, so fragte letztes Jahr ein kleiner Artikel im Gemeindebrief: „Naja, vielleicht nicht gleich den Frieden, aber einen Ort des sich Findens
und Zusammenkommens oder einen Ausgangspunkt, sich auf den Weg zu machen.“ Ursula Schreiber lud damit interessierte Frauen zu einer neuen Gruppe ein. Gute Gespräche über Gott und die Welt, über Ich und Wir, Zukunft und Vergangenheit sollte das weite Themenfeld umreißen. Rund ein Dutzend Frauen haben sich damals einladen lassen. Heute habe ich mich mit Ursula Schreiber getroffen, die mir ein wenig von der Frauengruppe erzählt hat.

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Tag 92: Besuch im Kindergarten

Manchmal ist der Kopf schon weiter als der Kalender: Heute morgen war ich zu Gast im Friedens-Kindergarten. Eigentlich war der Plan, dass wir nur ein Lied miteinander singen. Aber irgendwie kam gestern in meinem Kopf der Kalender durcheinander und ich hab die Andacht, die erst für Freitag geplant war, schon für heute vorbereitet. Jetzt habe ich wahrscheinlich den Kiga-Tagesablauf durcheinander gebracht, weil ich nicht nur ein Lied begleitet, sondern gleich noch die Geschichte erzählt habe. Schieben wir es einfach mal auf den Montagmorgen, statt darauf, dass ich langsam alt werden.

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