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Gemeindeerkundungen

Tag 44: Ins Gespräch kommen

Manchmal ist es schwierig, miteinander ins Gespräch zu kommen. Heute ist zum Beispiel aufgefallen, dass mein Anrufbeantworter ausgefallen war. Die Person, die mich erreichen wollte, hatte glücklicherweise auch meine Mobilnummer. Aber ich hatte natürlich die Sorge, dass mich vielleicht schon mehrere Tage jemand erfolglos zu erreichen versucht. Das war zum Glück nicht so, wie die Anruferliste im Telefon zeigte. Miteinander ins Gespräch kommen, das ist für mich ganz wesentlich für christlichen Glauben. Weil es in der Predigt am Sonntag darum geht, warum wir glauben können, will ich nochmal auf diesem Weg zum Gespräch einladen: Schreiben Sie mir, warum Sie glauben können – oder auch: warum nicht?

Der Tag heute war in unterschiedlicher Form von Gesprächen geprägt: Geplante Gespräche mit Termin, ein ungeplantes Gespräch, mehrere kurze Gespräche „zwischen Tür und Angel“ und Telefonate. Im Moment sind die Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen, zwar eingeschränkt, aber trotz mancher Hindernisse und Kontakteinschränkungen doch möglich.

Der Predigttext für den nächsten Sonntag steht dagegen in einem Zusammenhang, der in radikalerweise von Kontaktverboten handelt: Es ist die Rede von Gottes Liebe und Barmherzigkeit, aber auch von todbringender Vergeltung. Das Volk Israel soll Gott bei Strafandrohung treu bleiben – dann bleibt auch Gott treu. Der Zusammenhang, in dem diese Verse stehen, handelt aber vom Kontaktverbot: Das erwählte Volk soll mit den andersgläubigen Völkern nicht nur keinen Umgang pflegen, sondern sie vertreiben oder vernichten:

Ihr seid ein heiliges Volk – ihr gehört ganz dem HERRN, eurem Gott. Er hat euch aus allen Völkern der Welt zu seinem Eigentum erwählt. Das hat er nicht etwa getan, weil ihr zahlreicher wärt als die anderen Völker. Denn ihr seid ja das kleinste von allen Völkern. Nein, aus Liebe hat er sich euch zugewandt und weil er das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hat. Darum hat er euch mit starker Hand aus der Sklaverei in Ägypten herausgeholt, er hat euch aus der Gewalt des Pharaos, des Königs von Ägypten, erlöst. So erkennt doch: Der HERR, euer Gott, ist der wahre und treue Gott!

Über Tausende von Generationen steht er zu seinem Bund und erweist allen seine Güte, die ihn lieben und sich an seine Gebote halten. Die ihn aber verachten, bestraft er mit dem Tod. Er zögert nicht, sondern gibt ihnen gleich, was sie verdienen. Darum lebt nach den Weisungen, Ordnungen und Geboten, die ich euch heute gebe! Wenn ihr sie befolgt, wird auch der HERR sich an seinen Bund mit euch halten. Ihr werdet weiter seine Güte erfahren, wie er es euren Vorfahren zugesagt hat.

Deuteronomium 7,6-12 Hofffnung-Für-Alle-bibel

Ich muss gestehen: Mit dem Predigttext liege ich über Kreuz. Erst habe ich gedacht: Der Text passt nicht in die Predigtreihe über christlichen Glauben. Aber gerade weil sich alles in mir sträubt, halte ich den vorschlagenen Predigttext für sehr passend, über Glauben nachzudenken. Denn Glaube muss kritisch bleiben und bereit sein, mit der eigenen Tradition zu ringen und mit dem Text zu streiten.

Oft genug begegnet ja der Einwand gegen Religionen, dass sie Hass und Gewalt säen und die Welt eine Bessere wäre ohne Glauben. Aber stimmt das? Ist eine Welt ohne Glauben überhaupt denkbar? Und welche Rolle spielen dabei Tabus und Kontaktverbote auf der einen und der Austausch zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen auf der anderen Seite? Warum können Sie glauben – oder warum nicht?

Sie können mit mir ins Gespräch kommen z.B. per E-Mail oder über Telegram. Und natürlich über alle anderen Kontaktkanäle.

Foto: Tumisu/pixabay.com

Tag 43: Heidefrieden

Eigentlich passen die Wörter „schön“ und „Industriegebiet“ nicht in den gleichen Satz. Aber beim Industrie- und Gewerbegebiet Loddenheide liegen die Wörter doch relativ nah beieinander. Das Gewerbegebiet bildet die nord-westliche Ecke meines Pfarrbezirks. Allerdings werden nördlich der Straße An den Loddenbüschen wohl kaum Leute wohnen. Aber ich habe mich heute mal dorthin auf den Weg gemacht um den Friedenspark und vor allem die Friedenskapelle zu suchen. Das ist ja auch naheliegend für den Pastor an der Friedenskirche.

Der friedliche Friedenssee im Friedenspark

Natürlich ist die Loddenheide erstmal ein Gewerbe- und Industriegebiet. Auf der knapp 1 qkm großen Fläche gibt es diverse Geschäfte, Autohäuser und Firmen. Der Name verweist darauf, dass hier möglicherweise einmal junge Bäume angepflanzt wurden, das ist allerdings nicht ganz sicher. Sicher ist aber, dass das Gebiet seit Mitte des 18. Jahrhunderts immer wieder militärisch genutzt wurde. So haben die Preußen hier ein Militärlager betrieben, exerziert und militärische Übungen gemacht. Ab 1933 wurde hier ein Fliegerhorst durch die Reichswehr errichtet. Nach dem Krieg haben britische Soldaten das Gelände genutzt. Nach dem Abzug der britischen Armee 1993 wurde das Areal zum Gewerbepark Münster-Loddenheide.

Die vom Dalai Lama gepflanzte Friedenskastanie mit Gedenkstein

Die Besonderheit dieses Gewerbegebiets ist sicher der Friedenspark, der als grüner Streifen das Herzstück des Gebietes bildet. Wer den Fuß- und Radweg von den Loddenbüschen bis zur oberen Loddenheide entlang geht oder fährt kann kaum glauben, dass man sich mitten in einem Gewerbegebiet befindet. Die Straßen am Rande des Parks tragen die Namen von Friedensnobelpreisträgern, darunter Willy Brandt, Dag Hammarskjöld, Martin Luther King, Gustav Stresemann und Bertha von Suttner. In der Nähe des Friedenssees hat 1998 der Dalai Lama eine Rosskastanie als Friedenskastanie gepflanzt.

Die Friedenskapelle (früher All Saints Chapel)

In unmittelbare Nähe zu Friedenspark, Friedenssee und Friedenskastanie steht die Friedenskapelle. Sie wurde 1953 als „All Saints Chapel“ für die dort stationierten Britischen Soldaten gebaut. Zwei Fenster aus dieser Garnisonskapelle finden sich heute auf dem Friedhof „Am Hohen Ufer“. 1999 wurde die Kapelle von dem Münsteraner Unternehmer Egbert Snoek gekauft, restauriert und umgebaut. Heute wird die Kapelle als Saal für Konzerte und Lesungen verwendet, aber auch Hochzeiten können hier gefeiert werden.

Tag 42: Wofür leben wir? (Predigt)

Wie lautet die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest? – Wer die Science-Fiction-Persiflage „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennt, weiß die Antwort. In der Geschichte gibt es den Computer Deep Thought. Er wurde gebaut um die Antwort errechnen. Nach 7,5 Millionen Jahren ist der Rechner fertig und spukt die Antwort aus: 42. Die Auftraggeber sind natürlich unzufrieden, aber Deep Thought sagt: Dann war eben die Frage unklar formuliert. – Wie also lautet die richtige Frage? Um die Frage zu finden, wird eine noch größerer Computer konstruiert. Es ist die Erde. Dieser Supercomputer rechnet mit lebendigem Material. Wir sind das Rechenmaterial und tragen die richtige Frage quasi in uns. Der Roman von Douglas Adams ist eine Karikatur des menschlichen Suchens und Fragens. „Was ist Sinn des Lebens?“ – Keine Ahnung. Die Frage ist falsch gestellt.

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Tag 41: Impressionen

Heute habe ich mal eine kleine Fotosession in der Friedenskirche gemacht. Es ist immer ganz gut, ein paar Bilder in petto zu haben. In der Christus-Kirche ist dabei ein umfangreiches Bilderarchiv entstanden, dass die Veränderungen der Kirche im Laufe der Jahre dokumentiert. Hier ein paar Impressionen von der Friedenskirche.

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Tag 40: Rechenschiebereien

Statistik hat etwas ernüchterndes. In diesem Monat hat die EKD ihre Mitgliederzahlen für 2019 veröffentlicht. Am Stichtag 31.12.2019 gehört rund 25% der Bevölkerung in Deutschland einer evangelischen Landeskirche an. Das sind fast 21 Mio. Menschen. Mit Sorge erfüllt dabei die Kirchenleitungen, dass die Ev. Kirchen beinahe eine halbe Millionen Mitglieder verloren hat, davon über die Hälfte durch Kirchenaustritte. Das sind fast 2%. Vor ein paar Tagen habe ich schon mal auf die Zahlen der Kirchengemeinde geschaut. Das habe ich heute nochmal getan und mir die Entwicklung in den letzten vier Jahren angesehen.

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Tag 39: Bewegte Männer

Auf Facebook hat mich gerade der Kirchenmusiker meiner Ex-Gemeinde zu einer Challenge über die 10 Bücher herausgefordert, die mich beeindruckt und geprägt haben. Auf einem der Top-Ten-Plätze landete Richard Rohrs „Der wilde Mann“. Zu Studentenzeiten haben wir sogar mal eine Männergruppe gehabt und darüber diskutiert. Daran musste ich heute denken, als ich mich mit einigen Männern vom Männerfrühstück getroffen habe. Sie haben mir einiges über ihre Gruppe erzählt und beim nächsten Treffen ist geplant, dass ich dann zu Gast bin.

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Tag 38: Friedenskinder

Mein Arbeitsweg ist denkbar kurz und sehr schön: Es sind vielleicht 20 Meter, die zwischen Pfarrhaus und Kirche liegen. Der Weg führt durch ein Törchen und dann quer durch den Garten des Kindergartens. Die Einrichtung wurde als „Kindergarten an der Friedenskirche“ 1971 eingeweiht. Mittlerweile heißt er „Ev. Friedenskindergarten“ und heute morgen hat mir Gabriele Bollacke, seit zwei Jahren Leiterin der Einrichtung, einiges über den Kindergarten, das Team und die Arbeit dort erzählt. Natürlich ging es auch um die Frage, was sich das Kita-Team von mir als dem neuen Pastor wünscht.

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Tag 37: Eine Tafel für Gremmendorf

Im Bereich der Friedens-Kirchengemeinde gibt es zwei Ausgabestellen der Münster-Tafel e.V.: Für den Bereich Angelmodde organisiert die Ausgabestelle der Treffpunkt Waldsiedlung e.V.. Gremmendorfer kommen in das Gemeindehaus der Friedens-Kirchengemeinde, wo ein 11-köpfiges Ehrentamtlichen-Team Donnerstags am Vormittag die Ausgabe übernimmt. Geleitet wird das Team von Monika Kuhr, die die Aufgabe vor zwei Jahren von Hans-Georg Reuter übernommen hat, der heute noch im Team mitarbeitet. Mit Frau Kuhr habe ich mich heute getroffen. Sie hat mir einiges zur Tafel-Arbeit in Münster, v.a. natürlich in der Ausgabestelle Gremmendorf erzählt.

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Tag 36: Der Tag, an dem wir Kontakt aufnehmen

In den 80er Jahren hieß ein Science-Fiction-Film von Stanley Kubrick „2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“. Wir schreiben 2020 und im Moment ist die Kontaktaufnahme auch recht eingeschränkt. Nach und nach treffe ich mich mit verschiedenen Menschen aus unserer Gemeinde und schön ist, dass einige sich direkt bei mir melden, entweder um mich bloß zu begrüßen oder auch, um einen Termin für eine persönliche Begegnung auszumachen. Ich habe heute hier auf dieser Seite mal eine Rubrik „Kontakt“ eingefügt, um eine Übersicht zu geben, wie man mich gut erreichen kann – und ich mache herzlich Mut, davon Gebrauch zu machen.

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Tag 35: Glaube, der ansteckt (Predigt)

„Denken, das ansteckt“, so lautet das Motto der PhilCologne in diesem Jahr. Die PhilCologne ist eine Art Kölner Kirchentag der Philosophie. Kein Fachkongress, sondern eher ein Festival. 2020 wurde die PhilCologne wegen Corona vom Juni in den September verschoben. WDR5, einer mit Mitbetreiber der PhilCologne, hat daraufhin an einem Samstag im Juni sein Programm umgestellt und 10 Stunden lang mit Gästen und Hörer:innen unter der Überschrift „Denken, das ansteckt“ philosophiert. Der Titel spielt mit dem ansteckenden Virus, lässt sich davon aber nicht ins Bockshorn jagen: Wir machen uns Gedanken,
die lohnend sind weiter zu sagen.

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